Washington D.C. - Und der Wachmann, der eine ganze Nation repräsentiert.
 
Mal wieder nach einer längeren Busfahrt und einem eher unkomfortablen Fußmarsch zum Hotel begann nun endlich auch unser Washington Ausflug. Auch an diesem Tag waren wir mit wunderbarem Wetter gesegnet - daher wollten wir keine Zeit verlieren.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Das steht ja aber nun überhaupt nicht an! Stattdessen geht es nach der kleinen Rundreise durch New York und Washington nun nach Raleigh - einer kleineren Stadt (aber immer noch Großstadt!) weiter südlich. In North Carolina. Hier macht Jan sein Praktikum und ich... ja ich komme nach der ganzen Herumreiserei endlich mal wieder zur Ruhe. Das kommt euch insofern zu Gute, als dass ihr nun endlich die ganzen Abenteuer der letzten Wochen hier nachlesen könnt! :)
Freitag, 2. Januar 2009
Da der Tag aber schon recht weit fortgeschritten war und wir das weiße Haus und die anderen Regierungsgebäude unbedingt im Hellen sehen wollten, liefen wir einfach so durch die Straßen und haben die Atmosphäre der Stadt auf uns wirken lassen. Nachdem wir dann bei Subway unser Abendessen aufgenommen hatten, gingen wir ins Hotel und freuten uns auf den nächsten Tag. Denn erst zwei Tage später ging es weiter, so dass wir einen vollen Tag in Washington zur Verfügung hatten.
Blöderweise verhielt es sich mit dem Wetter nicht so, wie wir uns das vorstellten. Zwar regnete und schneite es nicht, dafür war der Himmel grau und die Stadt wirkte nur noch halb so lebendig und prächtig, wie am Vortag. Dazu kam, dass Jan krank war und zudem noch nicht wusste, wann sein Praktikum in Raleigh am Montag morgen beginnen würde. Was eigentlich einfach scheint, war ein echtes Problem: Nämlich baldestmöglich ein Telefon aufzutreiben, um diese Information einzuholen. Und das alles an seinem Geburtstag!
Dennoch ließen wir uns nicht entmutigen und zogen los, zumal es Jan auch schon wieder etwas besser ging. Erstmal Futter kaufen - Bagels und Obst mal wieder. Dann ein Telefon finden - hat auch irgendwann geklappt. Und nun schließlich konnten wir mit dem eigentlichen Ausflug beginnen, juhu! :D
Sehr freudig vernahmen wir, dass auch die grauen Wolken über Washington langsam abzogen. So sind die ersten Fotos noch etwas fad, während die späteren Fotos sich mit einem strahlend blauen Himmel schmücken.
Die schwarzen Gestalten, welche ihr vor den Gebäuden seht sind übrigens Polizisten, bzw. Wachmänner. Wenn wir in Deutschland solche Wachmänner sehen, trauen wir uns im Normalfall nicht nah an sie heran, weil wir denken, man könnte ja verhaftet werden, wenn man aus Versehen stolpert und irgendetwas umschmeißt. (Okay, vielleicht denke auch nur ich sowas...) Äh, was ich eigentlich sagen will: Wir haben großen Respekt und auch eine Art Ehrfurcht in Gegenwart solcher Personen - und das insbesondere vor Regierungsgebäuden und anderen offiziellen Institutionen. Daher bin ich auch hier eher in großem Bogen um die Wachmänner herum gelaufen, ich weiß schließlich nicht, wie das hier so läuft. Ich war sehr froh, dass sie sich nicht dadurch gestört fühlten, dass ich unentwegt Fotos machte, auf denen sie ja dann auch zu sehen sein würden.
Und dann geschah Folgendes: Einer der Wachmänner lief einen klitzekleinen Moment lang in dieser... Skilanglaufhaltung durchs Bild - so wie ihr es unten sehr könnt. Glücklicherweise ist meine Kamera schnell und war gerade einsatzbereit! :)
Das konnte ich kaum glauben, weil sowas in Deutschland niemals eine Person im öffentlichen Dienst machen würde! Aber es war so witzig und immer, wenn ich das Foto sehe, freue ich mich erneut wahnsinnig darüber. Natürlich sind auch die Fotos vom Capitol und den umliegenden Verwaltungsgebäuden selbst ganz wunderbar - aber der Wachmann toppt da alles. Finde ich. Und ihr?
Dieser Wachmann in jener Situation, repräsentiert für mich in meiner persönlichen Empfindung die Gesamtheit der Amerikaner. Und zwar insofern, als dass ich die Menschen hier als unglaublich locker, offen und unkompliziert empfinde. In der Öffentlichkeit wird man regelmäßig angesprochen, es wird ein Witzchen gemacht und der Umgangston ist auch an offiziellen Orten freier und nicht bürokratischer, als er sein muss. Wenn man für diese Gruppe von Eigenschaften eine Rangliste aller Länder der Erde aufstellen würde (in diesem Fall wohl nur jene Länder, welche ich kennengelernt habe), so steht Amerika bei mir ganz oben auf der Liste. Dann kommt recht lange nichts und irgendwann dann Island und auch bald Deutschland. Immerhin kommt es vor, dass man mal gut gelaunte Menschen trifft, welche spontan ein Gespräch beginnen oder auch Beamte in  öffentlichen Ämtern sollen das schonmal getan haben (habe ich mir sagen lassen. ;P)
Dann kommt wieder eine lange Lücke und irgendwann China. Und am Ende dann Japan. In Japan wäre so eine Situation wie auf dem Foto sichtbar undenkbar. Und auch ansonsten läuft das öffentliche Leben so reglementiert und von Konventionen gelenkt ab, dass für Spontaneität einfach keine Zeit ist.
Das soll nun nicht heißen, dass das in Japan ganz furchtbar ist und in Amerika ganz herrlich. Nein! Es soll nur heißen, dass es anders ist. Hat alles seine Vor- und Nachteile. Während man z.B. in Japan sicher sein kann, dass seine Sachen ordnungsgemäß erledigt werden, hängt das in Deutschland von der Fähigkeit der zuständigen Person ab. In Amerika auch, aber zusätzlich noch von Faktoren wie der Laune der Person und der Motivation an dem Tag, vielleicht dem Sättigungsgrad... man kann sich eben nicht immer sicher sein, dass alles so abläuft, wie es das sollte. Auf der anderen Seite kann man mit den Menschen reden und vielleicht andere Wege finden, die ans Ziel (also nach Rom?!) führen. Weil es eben unkompliziert ist. In Japan hingegen kann ein Problem auf dem Weg zum Ziel auch schonmal eine Sackgasse bedeuten. Da kann man dann nichts machen, wenn alles den Regeln entsprechende bereits unternommen wurde. Seht ihr? Vor- und Nachteile. ;) Bitte legt das hier Geschriebene nicht auf die Goldwaage. Natürlich kann man diese Beispiele nicht auf ganze Nationen aufspannen - aber diese Tendenzen lassen sich nicht abstreiten.
Hier links seht ihr übrigens das Washington Denkmal - zu Ehren des ersten Präsidenten Amerikas. Man sieht es schon von sehr weit her, die wahre Größe lässt sich aber in der Tat erst erfassen, wenn man direkt davor steht. Es ist wirklich riesig und durch seine gerade Form und die Errichtung auf einem Hügel in weitläufigem Gelände so monumental, wie es monumentaler kaum sein könnte. Wahnsinnig beeindruckend. Dementsprechend ist es natürlich auch rundum von amerikanischen Flaggen umzäunt - in der Hauptstadt und insbesondere hier in unmittelbarer Nähe zum Weißen Haus steht Patriotismus ganz oben auf der Liste.
Wohl unschwer zu verkennen: Das Weiße Haus ist im Titelfoto zu sehen. Immerhin auf ein paar hundert Meter (oder weniger? Ich weiß nicht.) kommt man an das gesicherte Gebäude heran. Dann trennt uns ein Zaun vom Hausgarten. Aber durch den kann man hervorragend das Objektiv der Kamera schieben, so dass man kein schwarzes Gitter auf dem Foto erdulden muss!
 
Washington und New York waren nun meine ersten beiden Wegpunkte in Amerika. Und eine Gemeinsamkeit lässt sich auf Anhieb feststellen: Die geometrische rasterförmige geradlinige Anordnung der Straßen. Washington wirkt ebenso weitläufig und offen auf mich, wie auch schon New York - man hat sowohl auf den Straßen als auch auf öffentlichen Plätzen genug Raum, sich zu bewegen und wird weder von Menschenmassen, noch fühlt man sich von der Architektur erdrückt. Und dabei waren wir schon zu einer touristisch äußerst relevanten Zeit unterwegs.
Die Atmosphäre ist jedoch in Washington eine völlig andere, als in den verschiedenen Teilen New Yorks. Während man in New York durch die verschieden gearteten Stadtteile und insbesondere die großen Einkaufsstraßen, die Nachbarschaften wie z.B. Little Italy und China Town, den Broadway und den Times Square eher das Vergnügen sucht, weht in Washington ein weniger verspielter Wind. Die Vielzahl der Regierungsgebäude und öffentlichen Plätze lässt die Stadt etwas ernster wirken - was aber nicht negativ ist. (Sondern? Richtig! „Anders“ ist das Stichwort!)
Das Antlitz der Stadt ist überaus gepflegt und die Erhabenheit der prachtvollen  Architektur gibt der Stadt fast schon einen elitären Glanz. So wirkt auch die Nationalbibliothek an diesem Standort absolut stimmig, während sie in New York auf eine Art und Weise fehl am Platz wäre.
Festzuhalten bleibt jedenfalls: Beide Städte sind unfassbar beeindruckend und man bräuchte eigentlich Wochen, um sie wirklich zu erfahren. Wenn sie sich auch grundlegend unterscheiden, so haben beide ihren speziellen Reiz.
Für Urlaubstage würde ich wohl New York vorziehen, dort zu leben käme für mich aber nicht infrage. Dafür eignete sich Washington - oder noch vielmehr einer der Vororte - viel eher.