Einmal nach Amerika, bitte.
 
Nun war es endlich soweit, die Reise in das Land meiner schlimmsten Albräume stand an! Häh? ALBträume? Die hat wohl ein Rad ab...
 
Nein, im Ernst. Noch während meines Abiturs wäre ich noch lieber nach Zentralasien gereist um dort Viehzucht zu betreiben, als nach Amerika. Ich hatte einfach nie ein Interesse dafür - überdies eine nicht ignorierbare Ablehnung. Ich mochte nicht, was in den Medien vermittelt wurde, nicht das, was ich in der Schule gelernt hatte und sowieso nichts, was mit Amerika zu tun hatte. Die Menschen hielt ich für oberflächlich und anspruchslos. Kultur gab es schließlich auch keine.
Irgendwann hatte mein Verlobter dann zu meinem Entsetzen das Anliegen generiert, ein Semester in Amerika studieren zu wollen. Na prima. Ich hatte wirklich Angst, dass er alle jene amerikanischen Verhaltensweisen adaptierte, die ich so furchtbar fand. Und dass ich ihn dann am Ende erst gar nicht mehr wollen würde! Oh, welch eine Tragödie sich dort anbahnte!
 
So ist das einfach in Beziehungen. Die Wünsche sind verschieden und ich akzeptierte Jans Wunsch. Schließlich sollte er schon bald ewig an mich gebunden werden, da wollte ich ihm noch ein letztes Mal Auslauf gewähren... ;D
 
*Ein Zeitsprung - weiter in Richtung Gegenwart*
Tatsächlich fand ich mich damit ab, dass Jan nach Amerika gehen würde und unterstütze ihn auch (wohl im Geiste widerwillig) in diesem Vorhaben. Glücklicherweise habe ich mich dann noch relativ lange, bevor Jans Reisepläne Form annahmen geistig weg von diesem  in mir wohnenden intoleranten stolzen Europäertum und weit in Richtung Weltoffenheit entwickelt. Schließlich hatte ich auf all meinen Reisen eines gelernt: Man darf ein Land und insbesondere seine Bürger niemals beurteilen, ohne jemals dort gewesen zu sein und die Menschen kennengelernt zu haben. Zu groß klafft die Lücke zwischen dem, was die Medienwelt selektiert und manipuliert an uns weitergibt und der Wirklichkeit vor Ort.
 
So kam es also, dass ich mich nicht nur für Jan freute, dass es für ihn geklappt hat, sondern ich auch selbst einen Flug nach Amerika buchte. Ich war so neugierig auf dieses Land! Auf meinen Reisen und auch in Deutschland habe ich viele Amerikaner kennengelernt, die wirklich unglaublich offen, freundlich, witzig und eben tolerant sind. So konnte ich vorurteilsfrei (naja nicht ganz - dass die Leute dick und die Autos groß sind und das Essen fettig ist, erwartete ich natürlich dennoch) ins Flugzeug steigen.
 
Nachdem Jan und ich Weihnachten in der Heimat verbrachten, flogen wir am 29.12.2008 wieder nach Amerika. Zuerst planten wir eine kleine Reise durch Washington und New York, um danach nach Raleigh zu gehen, wo Jan im Anschluss an sein Semester in Amerika ein Praktikum macht. Das hört sich jetzt so an, als seien wir gemeinsam nach Amerika geflogen - was eine überaus nahliegende Annahme ist und ja auch unser ursprünglicher Plan war. Weil ich aber nun früher zurückfliege als Jan, konnte man auch den Hinflug nicht so koordinieren, dass wir in derselben Maschine sitzen. Gut, 300 Euro mehr hätten es gemacht, aber das ist es auch nicht wert. So flog Jan aus Düsseldorf ab, dicht gefolgt von mir einige Stunden später. Er machte in London Halt, während ich in Paris in ein anderes Flugzeug nach Washington umstieg. Das ging bei mir flotter, so dass ich früher in Washington landete als er.
Das sogar trotz des gezielten und offensichtlichen Psychoterrors der französischen Stewardessen an Bord! Also ich bin mit einer russischen Fluglinie von Tokyo zurück gekommen und war darauf vorbereitet, dass nicht alles zu meiner Zufriedenheit sein würde. Und wenn ich auch das russisch gesprochene Englisch nicht verstand, so wurde mir immerhin nicht mein Essen entrissen, während ich augenscheinlich noch lange nicht damit fertig war!
Ja, ich brauche lange zum Essen. Ich brauche auch länger als jeder andere Fluggast und esse noch, wenn bereits abgeräumt wurde, Kaffee und Tee ausgeteilt und auch wieder abgetragen war. Aber es gibt keinen Grund, mir das Essen dann einfach wegzunehmen - tendenziell wird es ja mit fortschreitender Zeit doch weniger! Bei der ersten Mahlzeit wollte die Stewardess mein Tablett haben, als ich gerade mit dem Nachtisch beschäftigt war. Höflich entschuldigte ich mich und bat darum, das Tablett noch behalten zu dürfen. Dann grinste sie ganz heftig und ekelig. Genau wie nachdem sie mir später mit ihrem Schubswagen über den Fuß gefahren war, und mich damit weckte. Ich hatte eigentlich gedacht, dass man in so einer Situation sich eher entschuldigt, anstatt zähnefletschend zu grinsen. Dann kam die zweite Mahlzeit. Ich war noch nicht einmal beim Nachtisch angekommen, da nahm sie mir wieder das Tablett weg. Und obgleich ich sagte, dass ich noch esse, zog die blöde Stewardess noch weiter daran. Ich musste es festhalten! Bald fragte ich mich, ob vielleicht die mehreren hundert Euro nicht angekommen waren, die ich für den Flug, das Essen und nicht zuletzt die zweckmäßige Arbeit der Stewardessen überwiesen hatte. Obwohl ich das natürlich nicht aussprach, reagierte die Stewardess unerwartet und geschickt, indem sie im Vorbeigehen meinen Sitz aus der Schräglage per Knopf zurückflippen ließ. Ohne Kommentar und Vorwarnung. Wohl wegen des Landeanfluges... JA JA! Schon klar. Nach einigen weiteren Zickereien landete ich endlich in Washington.
 
Glücklicherweise gab es bei der Einreise keine größeren Probleme, so dass Jan und ich uns auch tatsächlich in Washington am Ankunftsterminal trafen. In der Wartezeit hatte ich natürlich schon die ersten Peanut Butter Süßigkeiten auf amerikanischem Boden erworben und verputzt. Yummy.
Nun war es auch schon nach 22h, als wir endlich im Hotel (siehe Foto oben) ankamen. Dann stand einfach nur noch Schlafen auf dem Programm, um für die Busfahrt nach New York am nächsten Morgen so fit wie möglich zu sein. Und darum wird es dann im nächsten Beitrag gehen....New York.... New YOOOOOOORK Dapp Dapp  DADADAAAAAA Dapp Dapp DADADAAAAAAAAA...
Montag, 29. Dezember 2008