Yonghegong Lamatempel
 
Es gibt noch viele Orte, die ich besuchen möchte hier in Peking. Einige davon möchte ich aber nur bei richtig gutem Wetter besuchen, denn was hat man schon von einem prächtigen See im Sommerpalast, wenn man sowieso nur 10 Meter weit schauen kann? Die Stimmung und die Atmosphäre sind einfach viel beeindruckender, wenn alles im Glanz der Sonne erstrahlt. Eine trübe Aussicht wirkt sich zudem überaus negativ auf jedwedes Foto aus...
 
Auch der Yonghegong Lamatempel gehört zu diesen Orten. Ich war vor acht Jahren bereits dort und konnte mich noch äußerst gut an die prachtvolle Architektur, die kolossalen Buddhafiguren und die unglaubliche Atmosphäre erinnern. Dementsprechend frohen Mutes war ich neulich, als ich los ging und der Himmel blau war und die Sonne fröhlich schien.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Sonntag, 7. September 2008
Wörtlich übersetzt bedeutet der chinesische Name des Palastes „Palast der Harmonie und des Friedens“. Im Gegensatz zu vielen anderen Sehenswürdigkeiten in Peking ist der Palast nicht nur rein für Touristen offen, sondern sind dort noch immer etwa 80 Mönche vor Ort, die man bei der Arbeit und beim Beten beobachten kann.
 
Fotos machen in den Hallen des Tempels ist übrigens eigentlich verboten. Deswegen muss man warten, bis die aufpassenden Mönche entweder beten oder in Gespräche verwickelt sind. ;) Dennoch hat man dann nur genau eine Chance für das Foto. Während bei den meisten Touristen der plötzliche Blitz verräterisch ist, ist es bei mir das Hochklappen des Spiegels meiner Kamera, verbunden mit dem Geräusch „CLICKLICK“. Ihr kennt das ja. Dann kommt nämlich so gleich jemand herbei und gebietet der jeweiligen Person: „No photos.“ Daher muss schon vorher, ohne Probefoto die perfekte Einstellung von allen Werten für die jeweilige Fotosituation gefunden sein. Und einfach noch weiter Fotos zu machen - dafür bin ich nicht dreist genug. Außerdem gibt es von dieser Sorte schon genug andere Touristen.
(Okay, ich tue dann ja auch in der nächsten Halle wieder so, als wüsste ich nicht, dass man keine Fotos machen soll. Aber wer weiß, vielleicht ist das ja auch in manchen Hallen tatsächlich so... ;) )
 
Weiterhin besonders am Lamatempel ist, dass er eigentlich gar nicht als solcher geplant war. Vielmehr diente er Ende des 17. Jahrhunderts als Residenz für einen Kaiser. Der hat sich diese Anlage also einfach mal so hingebaut/hinbauen lassen. Erst etwa 30 Jahre später wurde der Palast dann zu einem Kloster ernannt und von da an insbesondere durch mongolische, tibetische und mandschurische Mönche geprägt. Wohlgemerkt ist es auch ein „Lamatempel“ - also gründet er auf dem Lamaismus, dieser da der tibetische Buddhismus ist.
Dieser Tempel ist der in Peking am besten erhaltene Lamatempel und wohl auch generell der schönste und vermutlich beeindruckendste buddhistische Tempel.
 
Selbst für hochgradige Orientierungslegastheniker wie mich ist die Struktur der Anlage klar zu erkennen und nachvollziehbar. Die Haupthallen liegen entlang der Hauptachse, zudem gibt es mehrere Seitenhallen  am Rande. Die Seitenhallen dienen nun hauptsächlich als Museen oder sind Lehrräume, die beispielsweise dem Studium der Mathematik oder dem Erlernen von Versen dienten und dienen.
 
In den Hallen in der Mitte finden sich prächtige Statuen, welche verschiedene Gottheiten darstellen. Beispielsweise die Götter der Medizin oder der Weisheit. In einer anderen Halle sieht man die Götter der Gegenwart, Vergangenheit und der Zukunft. Bemerkenswert ist, dass zumeist eine Menge Opfergaben vor den Altären liegen. Das sind sehr oft Äpfel und andere Obstsorten und Trockenobst - an einer Stelle habe ich aber auch ein industriell hergestelltes und verpacktes Küchlein mit Kaffeecremefüllung gesehen. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob die gebende Person das ernst gemeint hat und sich nun eine ganz vorrangige Erfüllung ihrer Wünsche erhofft. Nun ja, ich bin unwissend - vielleicht funktioniert das ja wirklich so, hehe.
 
In der letzten Halle findet sich diese gigantische Statue. Obgleich die sie umfassende Pagode dreistöckig ist, reicht sie nicht aus, diese 26m hohe Figur unterzubringen. Deswegen ist sie zu etwa einem Drittel im Boden versenkt. Übrigens soll sie aus einem einzigen  Stück, einem Sandelholzbaumstamm gefertigt worden sein. Aber ob das mal stimmt...
 
Auf dem Foto wird die Dimension der Statue leider nicht ansatzweise deutlich. Wobei, was heißt leider - irgendeinen Vorteil muss es ja haben, wenn man selbst vor Ort ist und alles mit eigenen Augen sieht. :)
Dennoch gebe ich selbstverständlich weiterhin mein Bestes, euch alles so nah wie möglich zu bringen!
Während die westlichen Touristen und auch viele chinesische Touristen den Lamatempel wegen seiner besonderen Schönheit besuchen, kommen auch sehr viele Buddhisten dorthin um zu beten und eben Opfergaben zu hinterlassen.
Eine weitere Tradition ist es, Räucherstäbchen anzuzünden. Wir kennen ja Räucherstäbchen auch in Deutschland - da macht man mal eins an und schon ist der ganze Raum voll mit Rauch und erfüllt mit einem intensiven Aroma.
Hier im Tempel jedoch wird gleich ein ganzer Pack Räucherstäbchen auf einmal angezündet. Ich weiß nun nicht genau, warum man das macht - bzw. welche Bedeutung es hat. Wenn ich es richtig aufgefasst habe, dann werden die Räucherstäbchen angezündet und damit gebetet. Die Buddhisten nehmen sie in die Hände, halten sie vor ihr Gesicht oder ihren Körper und beugen sich mehrmals nach vorne. Das machen sie vor den Hallen und wenn es erlaubt ist auch darin - direkt vor den Statuen.
Danach werden die noch glühenden Räucherstäbchen in einem großen Behältnis vor der jeweiligen Halle hinterlassen. Da brennen sie zu Ende und es ist  die Aufgabe der Mönche, sowohl die Asche wegzuräumen, als auch die lustig bunten Plastikhüllen, aus denen jeden Tag schätzungsweise mehrere Tausend neue Räucherstäbchen in der Tempelanlage geboren werden. Das muss echt richtig nervig sein. Nicht dass das Beten und Meditieren schon genug Arbeit wäre, nein, man muss sich auch noch um den Rummel der Touristenschar kümmern.
 
Übrigens waren es nicht nur die älteren Menschen, die hierher kamen. Auch viele junge Leute - mitunter Teenager im Minirock - kommen hierher und beten.
Ich habe nur sehr wenige Fotos von den betenden Touristen gemacht, weil es mir doch sehr unangenehm ist. Dabei wirkten sie ganz ungestört durch mich - sie sind vermutlich schon lange an „solche wie mich“ ;) gewöhnt.
Wie an vielen religiös relevanten Orten in China gibt es auch im Lamatempel mehrere Stellen, an denen die Gläubigen ihr Geld hinterlassen. Meistens handelt es sich um in irgendeiner Form bedeutsame Statuen, bei denen es zweckmäßig ist, sein Geld an einer besonderen Stelle zu platzieren. Das wird meist dadurch erschwert, dass diese Statuen irgendwie eingesperrt sind und man das Geld daher werfen muss. (Vielleicht ist ja auch gar nicht wichtig,  was die jeweilige Statue bedeutet sondern nur, dass sie eingesperrt ist und man daher nicht einfach das Geld auf die begehrte Stelle legen kann. Denn das wäre ja zu einfach...) Man kann die Menschen dabei beobachten, wie sie so lange immer wieder aufs Neue Münzen hinwerfen, bis diese nicht auf den Boden fallen, sondern wie beispielsweise bei dieser drachenartigen Figur im Mund, in den Nasenlöchern oder auf dem Kopf liegen bleiben. Und das kann echt lange dauern...
 
Soviel zu diesem wunderschönen Ausflug an einem wunderschönen Tag. Ich hoffe, es ist euch recht, dass ich auch ein paar Hintergrundinformationen eingebaut habe. Für mich persönlich ist es schließlich sehr wichtig zu wissen, was es mit all diesen Orten, Gebäuden und auch den Menschen auf sich hat. Daher arbeite ich einfach mal mit der Erwartung an meinem Blog, dass das für euch ebenso gilt. :) Jedenfalls weiß ich, dass das bei den „Stammlesern“ des Blogs auf jeden Fall zutrifft.
 
Beim nächsten Mal werde ich euch mein Alltagsleben etwas näher bringen. Auch das ist aufregend - denn chinesischer Alltag ist ein besonderer solcher. ;)
 
Bis bald! Eure Livia