20 km auf der Mauer auf der Lauer
 
The Great Wall was my first love, and it will be my last...
In der Tat hat mich hier bisher nichts so sehr beeindruckt, wie die Chinesische Mauer. Es ist einfach ein unbeschreibliches Gefühl dort oben zu stehen, gefühlt unendlich weit blicken zu können und sich den Wind um die Ohren wehen und die Sonne auf der Nase herumtanzen zu lassen.
Deswegen haben wir uns neulich in einer 5er-Gruppe morgens früh aufgemacht, an einem wunderschönen Sommertag bei klarem blauen Himmel ein weiter abgelegenes Stück Mauer zu besuchen. Das bekannteste Stück Mauer namens „Badaling“, welches auch in allen Reiseführern angegeben ist, befindet sich gar nicht weit entfernt von unserem Hotel. Sind vielleicht 30 - 60 Minuten mit Bussen. Ich kann mich aber noch daran erinnern, dass es schon vor acht Jahren, als ich das erste Mal hier war, absolut überlaufen war. Zu viele Touristen und wahnsinnig viele Souvenierstände, aufdringliche Verkäufer und dergleichen.
Daher wollten wir einen weiteren Weg auf uns nehmen in der Hoffnung, die Mauer zumindest eine Weile lang für uns allein zu haben. (Immer diese einnehmenden westlichen Teufel...) Vielmehr verlief es so, dass Anja den Plan aufstellte dort hinzufahren und wir uns anschlossen. Sie hat ausfindig gemacht, dass man zu einer Stelle der Mauer hinfahren kann, dann 10 km darauf wandert und an einer anderen Stelle wieder absteigt. Wow, ein Traum! Klar sind wir dabei! Beinahe wollten wir uns noch umentscheiden, weil es schwierig ist, ein Taxi für 5 Personen aufzutreiben - und Busse fahren dort nicht hin. Es gibt quasi keine offiziellen 5-er Taxen mit Taxameter, sondern muss man einen privaten Fahrer engagieren, mit dem man im Vorhinein (das mit dem Vorhinein ist wirklich sehr sehr wichtig!) einen Preis ausmacht.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Dann waren wir also erneut zu viert. Wir waren zwischenzeitlich schon wieder völlig erholt und marschierten los. Was wir da noch nicht wussten: Es waren 10 Kilometer bis zu dem anderen Mauerstück. Zu dem Punkt, an dem das andere Mauerstück anfängt. Denn ab da sind es bis zum Abstieg nochmals 10 km. Frecherweise mussten wir an diesem Übergang erneut Eintritt zahlen - ist ja schließlich ein anderer Abschnitt...Aber was soll man machen? Einfach umdrehen? Ne, dann lieber die 5 Euronen zahlen. (Wucher! :O)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Und so beschleunigten wir das Tempo, während Andrea und Sebastian noch etwas weiter zurück lagen. Doch schon kurz darauf erreichten wir eine kleine Station mit dem Pfad zum Sessellift. Die letzten Kilometer ließen sich sehr viel schneller meistern, weil die Mauer wieder besser begehbar wurde. Dann ging es doch relativ schnell, bis wir den Lift erreichten, der zu unserem Glück auch noch aktiv war. Also ab dafür, Minibus suchen und Anja wieder abholen. Hat alles prima geklappt, selbst die Kommunikation mit Herrn Minibus. ;)
 
Man, das war echt ein anstrengender Tag. 20 km auf der Mauer wandern. Auf den letzten Kilometern habe ich gemerkt, welche Muskelgruppen ich noch etwas besser trainieren sollte. Dennoch, ich schätze, dass war der bisher eindrucksvollste Tag, den ich in China verlebt habe. Die Erfahrung der Chinesischen Mauer wird sicherlich erheblich intensiviert, durch diese außerordentliche körperliche Beanspruchung und stetige Anstrengung.
Die Rückfahrt war dann auch irgendwo ein Genuss. Diese frischen unglaublichen Eindrücke und Bilder im Kopf und das nicht ignorierbare Gefühl, etwas (viel!) geleistet zu haben. Alles noch mal mit Musik vom MP3-Player in den Ohren Revue passieren lassen und so viel wie möglich verinnerlichen. Ein Wunderbarer Tag.
 
Bald in Livias Welt: Beachvolleyball bei den Olympischen Spielen! Ihr dürft gespannt sein! :)
Sonntag, 24. August 2008
Gesagt getan, wir fanden einen Minibusfahrer, der uns für insgesamt 60 Euro die vielen hundert Kilometer hinbrachte, uns am anderen Ende wieder abholte, noch eine Zwischentour mit uns machte und uns Abends heil wieder am Hotel ablieferte. (Soviel darf ja schon vorweggenommen sein. ;) )
Es war wirklich eine sehr sehr lange lange sehr lange Fahrt. Damit hatten wir nicht gerechnet. Ich weiß auch gar nicht mehr, wie lange es tatsächlich war - so 2 Stunden in etwa. Nachdem wir ankamen, konnte ich meine Weggefährten leider nicht davon überzeugen, wie schön es doch wäre, nicht den Sessellift zu nehmen, sondern aufzusteigen. Daher fuhren wir hoch - aber diesmal waren die Kabinen etwas sicherer und hatten sogar einen echten Boden! Wäre mein Objektivdeckel also nicht sowieso gesichert gewesen, hätte er überhaupt nicht runterfallen können.
Bald angekommen, waren wir aber noch nicht oben. Um von der Plattform, auf der uns der Lift absetzte auf die Mauer zu kommen, mussten noch einige Höhenmeter überwunden werden. Man muss dazu sagen, dass es weit über 30 Grad heiß war und die Sonne unaufhaltsam auf uns nieder schien. So ein Wetter, bei dem man sich selbst im Sitzen überanstrengt fühlt. (Natürlich habe ich an Sonnencreme und Sonnenschirm gedacht - andernfalls wäre ich nach spätestens 10 Minuten an entweder einem Hitzschlag oder Hautkrebs gestorben...)
Es war schon anstrengend, dort hoch zu klettern, aber die Hitze war das größere Problem. Was heißt größeres Problem - es gab bis auf die Hitze keinerlei Probleme. ;)
Nach und nach kamen wir alle mehr oder weniger geschafft oben auf der Mauer an. Das Bataillon hatte sich quasi beim Aufstieg in Einzelstreitkräfte aufgespalten. Anja, die die Rückabsicherung übernahm, brauchte dann aber doch...relativ sehr lange, kam aber noch an. Sie hatte aber bereits genug, denn angesichts ihrer Erschöpfung und der Tatsache, dass die eigentliche Wanderung noch nicht begonnen hatte, verließ sie der Mut. Daher wollte sie etwas in diesem Abschnitt unterwegs sein und sich dann nachher, wenn unser Minibus uns aufgegabelt hatte, an derselben Stelle abholen lassen. Obgleich eigentlich sie diejenige war, die die Wanderung auf jeden Fall machen wollte... ;D
In unserem Startgebiet waren einige Touristen unterwegs. Das waren zuvorderst diese, welche hochkommen, dann etwas umher wandeln und am selben Mauerabschnitt wieder absteigenrunterfahren. (Quasi das, was ja auch Anja gemacht hat.) So wurde das Aufkommen  von Touristen nach ca. 2-3 Kilometern deutlich geringer und schließlich wurde es eher die Ausnahme, anderen Touristen zu begegnen.
 
Auf diesem unteren Bild sieht man, wie wir schließlich einen letzten Blick auf so etwas wie Touristengrüppchen und Sonnenschirme werfen konnten...
Hier lässt sich gut sehen, wie die Mauer in einzelne kleinere Abschnitte aufgeteilt ist. Die Türme bieten uns Wanderern einen angenehmen schattigen Ort für kleine Pausen und der Blick aus den kleinen Fenstern hat seinen ganz besonderen Charme. Hier lauerten uns fast immer einige Wasserverkäufer auf, die zunehmend auch nicht leer ausgingen...
 
Auf unserer Strecke erklommen wir ganz genau 25 dieser Türme. Immer wieder rauf und immer wieder runter. Und jedes Mal der Gedanke: Jetzt haben wir den höchsten Punkt erreicht! Und etwas später das Wissen, dass es eine Illusion war.
 
Je weiter wir gingen, desto weniger instandgehalten waren zudem die Mauerabschnitte. Es war wirklich überaus anstrengend, solche Passagen zu erklimmen, denn nicht jeder Stein saß fest und es war sehr steil. Nicht ganz ungefährlich, denn an manchen Stellen fehlte darüber hinaus jede Abgrenzung nach außen und ein leichtes Stolpern könnte ein Fallen in den tiefen Abgrund bedeuten. Dessen sollte man sich wohl bewusst sein, aber auch lieber nicht zu oft dran denken, dann machts nämlich bald keinen Spaß mehr. ;)
Auf den Kilometern etwa 8-18 begegneten uns ungelogen höchstens 10 andere Touristen. Das genau wollten wir und es war ganz wunderbar, auch mal ursprüngliche Mauerabschnitte zu sehen. Denn so gut erhalten wie in Badaling ist die Mauer normalerweise nicht - sie ist eigentlich vielmehr so wie hier.
Es war mitunter etwas bedrohlich, von weitem eine schwierige Stelle zu sehen, denn man wusste ja nie genau, ob man es schafft. ;) Es gab zwei oder drei Passagen an denen ich mir wirklich nicht sicher war, ob es möglich ist, sie zu passieren. Wenn man z.B. wie hier schon von weitem ein riesiges klaffendes Loch sieht und nicht weiß, wie man denn den nächsten Abschnitt wohl erreichen könnte...
Als es langsam doch spät wurde, machten Roland und ich uns insbesondere Sorgen darüber, wie lange der Lift denn wohl hinunterfährt. Denn es wird schon um 19h dunkel und ein Abstieg an einem entlegenen Mauerstück in der Dunkelheit bei unserem doch sehr hohen Grad an Erschöpfung schien nicht ratsam.