Ab die Kajakpost!
 
Eines schönen Morgens (so wie doch beinahe jeder Morgen hier wunderschön ist...) machten wir uns auf nach Kailua an der Ostküste, dort ein Kajak zu mieten. Für solcherlei lohnt es sich in der Tat, mal etwas weiter herauszufahren, denn so lässt sich zunächst einmal gewährleisten, dass man sich in Frieden seinen Weg durch die Wellen bahnen kann, ohne dabei, wie in Waikiki, mit den anderen Touristen um die Gunst des Wasserweges kämpfen zu müssen.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Montag, 24. Oktober 2011
Nein, so schlimm ist es gar nicht in Waikiki! Aber hier in Kailua ist nun einmal sehr wenig los und diese Ruhe haben wir doch sehr genossen.
Zudem bietet das Meer bei Kailua noch ganz besondere Attraktionen. Einerseits findet sich hier in der Nähe des Strandes die Insel „Chinaman‘s Hat“, hier links zu sehen. Die heißt so, weil... na, da kommt ihr schon selbst drauf! ;) Zudem erstrecken sich gleich in Küstennähe mehrere kleine Inseln, die für mittelmäßig gut begabte Kajaker wie uns in überschaubarer Zeit erreichbar sind. Nun ja, wir sind wirklich gar nicht schlecht, was die kraft-/ausdauerkörperliche Komponente angeht. Die limitierenden Faktoren sind andere. Zum einen, wie immer, die Sonne: So ein Kajak bietet doch keinerlei Schatten, auch das Halten eines Sonnenschirms verbietet sich. Und darüber hinaus säumen nur ausgesprochen wenige schattenspendende Bäume die Wasserstraßen. Dazu kam im letzten Viertel auf dem Rückweg Jans plötzlich aber vehement auftauchende Seekrankheit. Zunehmend oft äußerte er auf meine Nachfrage hin, ob denn alles in Ordnung sei das Bedürfnis, doch bitte alsbald möglich an den rettenden Strand, den festen Boden, zurückzukehren. Beobachten konnte ich ihn dabei nicht, saß ich doch vorne als Steuermannfrau im Kajak - jedoch implizierte die Klangfarbe seiner Stimme doch eine gewisse Notwendigkeit zur Eile.
Wenn auch dieses letzte Stück unserer Wassertour nicht mehr überaus prickelnd war, so war der Rest des Ausfluges doch wirklich ganz herrlich! Zuerst steuerten wir eine kleinere Insel in unmittelbarer Strandnähe an, legten an und gingen eine kleine Runde spazieren. Erst kurz bevor wir das Boot wieder erreichten sahen wir, dass überall auf den Felsen, auf denen wir liefen, kleine bis mittelgroße (gut farblich an den Untergrund angepasste) Krebse herum patrouillierten. Ein gutes Gefühl, nicht drauf getreten zu sein!
Der Weg zur nächsten Insel war etwas weiter und als wir dort ankamen machten wir erstmal eine längere Pause, aßen und tranken. Außerdem schoss der freundliche Stand-Up-Paddler, der uns auch schon auf Wasserwegen begegnete, netterweise dieses Foto hier links von uns - mit Inas Unterwasserkamera. Denn freilich haben wir nicht die andere Kamera mit ins Kajak genommen!
Überhaupt nicht so leicht ist es, an so einer Insel anzulegen, wenn der Wellengang nicht unbeachtlich ist. Gerade kurz vor dem Anlegen muss man es doch irgendwie koordinieren, weder so weit vom Ufer weg nacheinander herauszuklettern, dass man noch hinschwimmen muss, noch so weit vorrudert, dass man die Paddel in den Sand haut, in selbigem steckenbleibt und die Wellen ins Kajak schwappen. Ging ganz gut, wir waren zufrieden! Das leitete uns dann auch dazu an, ganz herzlich (wohl aber versteckt und unbemerkt) über diese Gruppe Touristen zu lästern, die für das Anlegen Hilfe brauchte. Viel Hilfe. Erst legte der Leiter der Gruppe an und ging zurück ins Meer, um nach und nach alle Kajaks einzeln per Hand an Land zu ziehen. Uns unterhielt die Show jedenfalls sehr bei unserer Mahlzeit und sobald alle an Land waren und die Insel damit fast voll war, entschlossen wir uns, den Rückweg anzutreten. Wir machten also einen Plan aus, wie wir am besten durch die Wellen aufs Meer kamen, ohne dabei den an der Küste wild aufeinander prallenden Wellen anheim zu fallen. Auf auf, also!
Nun geschah Folgendes: Während ich im Kajak saß und das Gefühl hatte, Jan würde gerade reinklettern, war Jan noch hinter dem Kajak und hatte, weil ich ja schon los paddelte, den Einstieg nicht geschafft. Das führte in meiner Gedankenwelt zu folgenden Gedanken: „Oh. Dann muss ich wohl noch mal zurück. Dann mal los!“ In Jans Kopf aber spielte sich etwas anderes ab - und die schiere Panik, die ich in seiner Stimme vernahm sowie der entsetzte Blick, den ich daraufhin erspähte sagte mir, dass sich in seinem Kopf in etwa das hier abspielen musste: „NOEEEIIIIIIIIN!!!!!!!!!!!! Jutta wird, weil sie doch viel zu schwach ist, auf hoher See langsam und qualvoll an Hunger, Durst und Sonnenschlag sterben, während ich für immer auf dieser Insel gefangen sein werde!! NOEEEEEIIIIIIIIIIIN!!!“ Er bewegte sich ein Stück weit ins Wasser, versuchte noch, mir zu folgen, aber mangels Vertrauen in seine  eigenen Schwimmfähigkeiten weichte er dann wieder zurück. Ich wollte mich noch immer nicht von seiner Panik anstecken lassen und erkannte doch den (scheinbaren?) Ernst der Lage nicht! Auch die Gruppe der Touristen nicht, die uns nun alle beobachteten und mindestens so gut durch uns unterhalten waren, wie wir zuvor durch sie!
Ich sagte Jan, dass ich einfach wieder umdrehen und ans Ufer kommen würde, damit er einsteigen kann. Er glaubte jedoch nicht, dass ich das schaffen könnte! Während ich also langsam einen Bogen paddelte, um zurück zu ihm zu gelangen, tänzelte er nervös am Strand umher.
...Und wie glücklich er war, als ich tatsächlich wieder ans Ufer kam und er einsteigen konnte! Letztich musste doch keiner sterben, alle waren gerettet, wir konnten uns auf den Rückweg machen. Wie schön, wie schön!
Dieser fiel tatsächlich viel kürzer als der Hinweg aus - nicht was die Strecke betrifft, wohl aber die Zeit. Schließlich waren Wellen und Wind jetzt mit und nicht mehr gegen uns!
Nachdem wir wieder am Ufer waren, das Kajak zum Verleih zurückgebracht und uns kurz frischgemacht hatten, breitete sich tatsächlich eine leichte Erschöpfung in uns aus. Glücklicherweise hatten wir nichtmehr viel Anstrengendes vor. Wir fuhren mit dem Auto entlang der Küste gen Norden noch den einen oder anderen Strand an, genossen abends ein hawaiianisches Buffet und sahen uns ein Musical an. Wahrlich ein schöner Tag! Und der schönen Tage folgten noch weitere. Also schaut mal wieder herein!