Die letzten Tage in Nagoya
 
So langsam neigte sich mein erster Monat in Japan seinem Ende zu. Da hatte ich mich gerade mal eingelebt und schon ging es wieder weiter - und zwar dieses Mal in eine noch viel größere Stadt als jede, die ich bisher gesehen und erlebt habe: Tokyo! Aber gut, an die Umzüge mindestens einmal im Monat habe ich mich ja jetzt gewöhnt. Seit Ende Juli ist das Standard und wird es auch bis Januar bleiben, ab da ich dann vier Monate in derselben Gastfamilie in Osaka bin.
Die letzten Tage bei meiner Gastfamilie waren wirklich noch besonders schön. Insbesondere die kleine Feier, auf die ich auch eingeladen war hat sehr viel Spaß gemacht. Hier habe ich die Leute wiedergetroffen, mit denen ich auch bei diesem witzigen Sportfestival zu tun hatte.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Und ganz oben seht ihr das Abschiedsfoto. Aber fragt mich nicht, was diese Geste bedeutet, die die linke Gruppe im Bild zeigt. Ich habe keine Ahnung.
 
An meinem letzten Abend wurde ich mal wieder zum Essen eingeladen. Man muss wissen, dass es in Japan eine Menge Restaurants gibt, die auf genau eine Sache spezialisiert sind. Also z.B. auf Ramen-Nudeln oder Soba-Nudeln, oder Sushi, oder Sukiyaki...und gerade diese Restaurants in denen man nur eine Sorte Gericht bekommt (natürlich in verschiedenen Ausführungen) sind die besten. In Deutschland gibt es ja mittlerweile fast nur noch mittelmäßige Alleskönner-Restaurants. Da kann man dann ein Steak bekommen, eine Pizza, einen Pfannkuchen, Döner, Bagels und auch eine Rinderkraftbrühe nach Großmuttern Art.
Ne, das ist hier anders. Dieses Mal waren wir in einem Teriyaki Restaurant - zumindest glaube ich, dass das so heißt. Hier kann man verschiedene Sorten Fleisch bestellen und dazu Reis, Salate, u.s.w. Das Fleisch wird dann in mundgerechten Stücken, aber in roher Form an den Tisch gebracht, wo man es dann am Gasgrill selbst grillt. Da ist also eine Einlassung in der Mitte des Tisches mit einem Gitter, worunter die Flamme brennt.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Alleine dieser Kimono ist ja vermutlich schon mehr wert als die Miete, die ich gezahlt habe. Ich fühle mich so unglaublich geehrt durch dieses schöne Geschenk! Das Zubehör muss ich aber noch kaufen - es ist wirklich nur der Kimono selbst. Das heißt, dass ich mindestens noch einen Obi, also so einen Gürtel brauche. Sonst ist es nämlich eher ein offen getragener Bademantel... Fotos davon gibt es zu diesem Zeitpunkt nicht, nur eine Beschreibung: Der Kimono ist silbrig weiß mit einem schlichten Blumenmuster an einigen Stellen. Unglaublich schön!
 
Nach noch einiger Zeit Kofferpackens ging ich dann auch schon fast schlafen. Fast? Weil ich meiner Gastmutter gesagt hatte, dass ich am nächsten Tag nicht hier sondern unterwegs esse, fing sie schnell noch an, einen Kuchen zu backen. Da musste ich natürlich noch warten, bis der Teig in der Form war und ich somit die Reste des rohen Teiges verzehren konnte. ;) DANN ging ich schlafen.
 
Und beim nächsten Mal werde ich euch von meiner Reise von Nagoya nach Tokyo erzählen. Die war lang und schließlich auch beschwerlich. Aber: Ich bin angekommen. :)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
P.S.: Ein paar Fotos habe ich auch noch als Nachtrag im Beitrag „Eine alte Stadt“ hinzugefügt.
Montag, 3. November 2008
Und wie ihr auf den Bildern sehen könnt, hatte ich wahnsinnigen Spaß mit ihnen! (Auf dem oberen sieht man übrigens gerade noch das letzte Stück meines mit Liebe gebackenen Kuchens.) Mit meinem Japanisch kann ich mich über Alltagsthemen einigermaßen unterhalten, aber an diesem Abend sollte auch endlich mal Deutsch gesprochen werden - entschieden die Japaner. So gab ich zuerst eine Lektion im Zählen („drei“ geht aufgrund des r wirklich gar nicht...) und dann folgten die Begriffe „Toll!“ und „HMMMMMMM, LECKEEEEERR!“ Letzteres sieht man dann auf dem unteren Foto in voller Aktion dokumentiert. Süß, diese Japaner!
„HMMMMM LECKEEEEEEERR!“ wurde dann das Motto dieses Abends.
Zuerst dachte ich mir, fein, das könnte ja lecker werden! Zarte Rindfleischstreifen sah ich vor meinem geistigen Auge langsam unter der ruhigen Flamme rösten und dachte daran, sie genüsslich in noch halb rohem Zustand zu verspeisen.
Dann wurde auch gleich genau solch zartes feines Rindfleisch serviert und gespannt sah ich zu, wie mein Gastvater das Fleisch auf dem Grill verteilte. Dann geschah etwas, dass für alle anderen normal, aber für mich ganz furchtbar war: Die Flamme wurde aufgedreht, so dass sie nicht nur sehr nah ans Fleisch heran stieg, sondern dieses gänzlich in sich aufnahm. Das Fleisch brannte! Tja, aus der Traum von langsam geröstetem Fleisch. Wenn ich überlege, dass wir zu Hause Alufolie auf den Grill spannen, weil das Fett, das in die Glut tropft giftigen Rauch erzeugt, der dann wiederum das darüber liegende Fleisch behaftet....hier brennt das Fleisch einfach direkt als solches. Und wird so in großen Mengen verzehrt.
Schließlich war ich auch mit meinem Salatbuffet sehr glücklich (und dem Nachtisch!!!) und aß seelenruhig meinen Salat und das Obst, während vor mir in einer Flamme von für Innenräume beeindruckender Größe das Fleisch verbrannte. Teilweise brannte es noch, während es schon mit den Stäbchen auf die Teller gezerrt wurde. Aber das Feuer kann man dann ja mit der bereitstehenden Soße löschen und so gleichzeitig die schwarzen Stellen und den verbrannten Geschmack geschickt überdecken. ;)
Zum Abschluss des Abends haben mir meine Gastmutter und Gastschwester noch angeboten, mal einen Kimono anzulegen - und auf den Bildern hier könnt ihr sehen, dass ich dieses Angebot natürlich überaus dankbar angenommen habe!
Dieser hier ist kein schwerer Seidenkimono, sondern ein Sommerkimono aus Baumwolle. Ein Yukata. Dennoch möchte ich mit den ganzen Unterkleiderteilen, Gürteln und allem anderen sichtbaren und unsichtbaren Zubehör wirklich nicht im Sommer unterwegs sein. Ist wirklich auch schon im Winter warm genug. Alltagstauglich ist so ein Kimono offenbar auch nicht, denn wenn erstmal alle Gurte angelegt sind, kann man sich kaum noch bewegen. Aber gerade stehen und aufrecht sitzen geht immer noch sehr gut.
Dazu muss ich noch erwähnen, dass das Anlegen in etwa eine halbe Stunde gedauert hat - und das obwohl die beiden Frauen ja routiniert in der Sache sind und es nicht das erste Mal ist, mit einem Kimono zu hantieren. Aber vielleicht ist es auch etwas anderes, andere Leute damit anzuziehen, als sich selbst. Wenn ich mir vorstelle, ich müsste Jan anziehen, dann dauerte das vermutlich auch sehr viel länger, als wenn ich nur mich selbst anziehe! ;D
Übrigens stammen alle Fotos auf dieser Seite mal wieder von meiner Gastmutter. Ich bin wirklich froh darüber, dass sie das typisch japanische Gen des Alles-fotografieren-Wollens in sich trägt. So habe ich nun schon einen großen  Haufen Fotos angesammelt, auf denen ich selbst auch zu sehen bin.
Noch immer mit dem Kimono bekleidet bekam ich nun mein Abschiedsgeschenk. Zunächst eine kleine Reisschale und Stäbchen - und erst jetzt bemerkte ich, dass ich jeden Tag aus derselben Schale mit denselben Stäbchen gegessen hatte. Denn diese bekam ich nun geschenkt!
Und dann bekam ich noch etwas. Ich konnte es wirklich kaum fassen - einen echten Seidenkimono! Zwar alt und gebraucht, aber das spielt ja überhaupt keine Rolle.