Nagano
 
Bevor ich am 10. Dezember für einige Wochen zurück nach Deutschland fliege, starte ich noch eine kleine Rundreise quer durch Japan.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Mittwoch, 3. Dezember 2008
Eigentlich hatte ich den Norden anvisiert, aber wegen der dort herrschenden Klimaverhältnise (KAAAAAAALT) zog es mich nach einer kleinen Runde auf der großen Hauptinsel doch in Richtung Süden nach Shikoku. Das ist die kleinste der vier japanischen Hauptinseln, sie liegt im Süden des Landes.
 
Zuerst besuchte ich meine Freundin Yuki san in Sendai und habe mir die Stadt angesehen. Außerdem hatte ich ein hervorragendes Hotel mit heißem Bad und Whirlpool in der oberen Etage des Hotels. Während ich mir also von dem wohlig heißem Wasser die Kälte  des Tages vom Körper spülen ließ, konnte ich in der Dunkelheit durch die große Fensterfront die Skyline der Stadt genießen. Was kann es nach der frostigen heizfreien Zeit in Tokyo schöneres geben!
Die zweite Station war die Stadt Nagano. Vielen von euch mag der Name dieses Ortes im Zusammenhang mit den Olympischen Winterspielen bekannt sein, die hier im Jahr 1998 stattfanden.
Diese Tatsache vermag zu diversen Vermutungen verleiten, was Größe, Art und Klima dieser japanischen Stadt angeht. Zunächst mal würde man vermutlich annehmen, dass es eine sehr große Stadt ist - hat aber nicht mehr Einwohner als beispielsweise Dortmund. Hinzu kommt, dass die Stadt nicht den Anschein erweckt, überhaupt eine Großstadt zu sein. Selbst die Gegend um den Bahnhof herum ist sehr beschaulich und weniger Hochhäuser als vielmehr kleine gemütliche Gassen mit ihren traditionell belassenen Lädchen und Wohnhäusern prägen das Antlitz der Stadt. So ist es herrlich, einfach einen Spaziergang zu wagen und sich treiben zu lassen - überall wo es mich dann hintrieb konnte ich die frische lebendige Atmosphäre der Stadt genießen.
 
Und das Wetter? Müssten da nicht im Dezember mindestens 400 km Schnee liegen, wenn die Stadt tauglich für die Olympischen Spiele ist? Nö, muss nicht! Zumindest nicht in diesem Jahr. Normalerweise liegt hier früher im Jahr Schnee, aber als ich hier war, konnte dieser sich wirklich nicht gegen die vorherrschenden 10-15 Grad durchsetzen. Wobei das natürlich in den nahe liegenden Bergen anders aussehen kann - wo die Spiele schließlich auch hauptsächlich ausgetragen werden. Wohl habe ich auch keine schneeweißen Gipfel gesehen ... böser Klimawandel!
 
Was schlecht für das Weltklima ist, das kommt immerhin mir zugute. Schließlich kann ich bei solchen Temperaturen auch bei Bewusstsein weiterexistieren und kann mir auch etwas mehr Zeit an der frischen Luft nehmen, um die verschiedenen Städte Japans auszukundschaften.
 
Das ausgeschriebene „Highlight“ der Stadt Nagano ist der Zenkoji - ein buddhistischer Tempel welcher eine besonders alte Buddhadarstellung beherbergt. Weniger die  Buddhastatue, als vielmehr die Gebäude und die Umgebung selbst beeindruckten mich. Was in etwa auf mich zukam konnte ich schon auf dem Weg zum Tempel hin sehr genau wahrnehmen, denn der direkte Weg war gesäumt mit Souvenirständen, welche neben lokalen Spezialitäten auch Abbildungen des Tempels, die üblichen Handyanhänger u.s.w. anboten.
Zugegeben, diese nicht essbaren Gegenstände muss man in etwa so intensiv suchen, wie eine Nadel in einer weltgroßen Heukugel (mit Heumond), denn DAS Souvenir für Japaner auf Reisen ist eben nun...ESSEN. Ich kann mich garnicht mehr genau daran erinnern, was die typisch Naganosche Spezialität ist. Ich komme auch nur selten dazu, diese Lokalspezialitäten zu probieren, denn eben weil sie von Touristen gekauft werden sind sie tendenziell unverhältnismäßig teuer. Eben mit schicker Verpackung drum und mit allem möglichen nicht essbaren Schnick Schnack zusätzlich ausgestattet.
 
Während ihr auf diesen Bildern hier die Souvenirstände, so wie das Eingangstor, einige Nebengebäude und eben die Umgebung des Tempels sehen könnt, ist der Tempel, welcher die Buddhastatue beherbergt auf dem Foto im Titel zu sehen. Man geht schon ein ganzes Stück, bis man erstmal dort angekommen ist. Jedoch lohnt sich der Weg, angesichts des kleinen Parks und verschiedener anderer buddhistischer Elemente, die sich hier besichtigen lassen. Einzuordnen vermag ich jedoch nicht alles, dazu fehlt es mir an Wissen um die buddhistische Tradition.
 
Auch wenn das Hotel in Nagano kein Dachbad zu bieten hatte, so konnte ich immerhin dem üblichen Sitzbad frönen. Alle gewöhnlichen japanischen Haushalte haben ein solches Sitzbad - eine andere Form unserer Badewanne. Etwa halb so lang, doppelt so tief. Dementsprechend sind auch die Hotels ausgestattet - jedes einzelne meiner sechs Hotels auf der Rundreise hatte so ein Sitzbad auf dem Zimmer. Auch ansonsten sind die Hotels sehr viel komfortabler und sauberer als zu ähnlichem Preis und mit gleichen Sternen anderenorts. Alle Zimmer waren mit etwa 40 Euro für ein Einzelzimmer mitten in der Stadt recht günstig, immer sehr sehr sauber, mit kostenlosem Internet auf dem Zimmer und vielen Annehmlichkeiten. Z.B. gibt es überall einen Wasserkocher und eine kleine Auswahl an Tee, derer man sich auch frei bedienen darf. Und eben oft noch ein öffentliches Bad im Hotel.
 
Soviel zu der schönen Stadt Nagano. Damit ist die Reise noch lange nicht zu Ende, daher schaut doch mal wieder herein und lasst euch überraschen, was das winterliche Japan alles so zu bieten hat!