Einmal Tokyo bitte.
 
Nun wissen einige von euch um mein Hobby der Fotografie. Dazu gehört auch, dass Fotos, die schnappschussartig aus einem Bus, Auto, Zug o.Ä. aufgenommen wurden für mich eines der größten Übel der Welt darstellen. Und das bedeutet folglich, dass ich für meinen Bericht über die Reise nach Tokyo keine Fotos habe. Das wiederum verbinde ich höchst geschickt mit dem Umstand, dass ich zu meinem Yagoto-Tempel Besuch an meinem letzten Tag in Nagoya wenig zu erzählen habe. Denn Blogeinträge ohne Fotos sind Gift für die Augen und umgekehrt wäre es schade, euch die schönen Fotos vom Tempel vorzuenthalten!
 
Daher an dieser Stelle die Erzählung einer anstrengenden und kraftraubenden Reise unterlegt mit den Fotografien eines Ortes der Ruhe, der Stille und der Entspannung. :)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Blöd ist, dass das Internetkabel über den Balkon reinkommt und das Fenster so einen Schlitz offen ist. Das zieht und es ist recht kalt - ich muss mir wohl noch das eine oder andere Kleidungsstück zulegen.
Die Nachbarschaft hier ist sehr ruhig und es gibt sogar einen kleinen Park in der Nähe. Da kann ich ganz gut trainieren. Außerdem sind viele sehr teure (also für mich sehr teuere, aber für Japan verhältnismäßig sehr günstige...) Einkaufsmöglichkeiten in der Nähe, ein Postamt, ein Bankautomat und der Bahnhof. Von hier kommt man in 60-90 Minuten in ungefähr jeden Stadtteil Tokyos.
 
Und bald sollte es dann auch zum ersten Mal so richtig in die große Stadt gehen...und wie das so war werdet ihr im nächsten Beitrag erfahren. Es bleibt auf jeden Fall spannend! :)
Dienstag, 4. November 2008
Trotz der Befürchtung, dass sich diese Reiseform als äußerst unkomfortabel herausstellen könnte, entschied ich mich für eine Busfahrt. Diese war nämlich nicht viel länger als die Bahnfahrt, wohl aber erheblich günstiger. Etwa 40 Euro zahlte ich für die 5-stündige Fahrt - und wäre ich nicht blöderweise an einem Feiertag gefahren, hätte ich das auch günstiger haben können.
Nun denn, der Bus fuhr um 7h50 und mein Gastvater brachte mich glücklicherweise direkt zur Bushaltestelle. Jede Hilfe war an diesem Tag bares Geld wert denn ungelogen: Mein Gepäck wiegt insgesamt mehr als ich. Fünf randvolle Gepäckstücke, die jeden Schritt zur Qual machen. Echt. Umso froher war ich, dass ich einen Sitzplatz im Bus am Fenster hatte und neben mir die kleineren Gepäckstücke auf dem Sitz lagern konnte. Die zwei riesigen Koffer hat der Busfahrer unten im Bus verstaut. Trotzdem konnte ich den Gedanken daran nicht verdrängen, dass ich nach der Busfahrt noch einige Male zwischen U-Bahnen und Zügen umsteigen müsste...
Erstmal konnte ich jedoch die Fahrt genießen. Habe den leckeren Kuchen von Gastmama Maki-san gegessen und dann den ersten Blick auf den Berg Fuji erhascht und mich an diesem Anblick ergötzt. Viele schöne Landschaften habe ich gesehen und auch einige Städte. Aber dann plötzlich....BÄM! Von einem Meter auf den anderen! TOKYO WAR DA! Plötzlich war alles voll. Mit Häusern, Menschen, Straßen, Autos... kein grüner Fleck mehr und keine weite Aussicht. Tokyo war da und zwar unerbittlich und scheinbar endlos.
Nach einiger Zeit kam ich dann auch am Bahnhof mitten in Tokyo an. Ich hatte Glück und ein senegalesischer anderer Reisender half mir mit dem Koffer bis zum U-Bahn Bahnsteig. Und beim Kauf des Tickets, denn ich war erstmal recht verwirrt und einfach total langsam. Zu langsam für Tokyo. Die darauf folgenden 90 Minuten bis zur Ankunft am Zielbahnhof waren anstrengend, beschwerlich und schmerzhaft. Zwei oder drei Bahnhöfe hatten keine Aufzüge und Rolltreppen - so dass ich dann mit dem Gepäck in mehreren Arbeitsgängen die Treppen hochklettern musste. Und dann bleibe ich natürlich auch noch in jeder zweiten automatischen Ticketkontrolle hängen... eben mit zwei großen Trollies und allerlei Sonstigem. Dann geht die Sperre einfach schon mal zu, während man sich noch mühevoll durch den engen Gang hindurch quält. Ich war dann wirklich glücklich, als ich endlich angekommen war..
Der nächste Schritt war es, ein Münztelefon zu bedienen und meinen deutschen Gastvater für die nächsten fünf Wochen anzurufen. Der hat sogleich jemanden geschickt und dieser Jörn - oh welch Freude! - trug meine Koffer. Der Rest geschah mit dem Auto und ich merkte, dass die größten Beschwerden nun hinter mir lagen. Am nächsten Morgen übrigens hatte ich keinerlei Muskelkater in den Beinen und spürte keine Zeichen von Anstrengung, während mein Oberkörper mir auch schon nachts, als ich mich im Schlag umdrehte signalisierte, dass er so etwas nicht duldet. Muskelkater vom Feinsten in den Armen, Schultern, am Hals, Rücken...
Naja, ich war angekommen! Das Zimmer ist kleiner als mein voriges, aber viel heller und gemütlicher. Durch die große Fensterfront wird es am Tage ordentlich aufgewärmt, falls die Sonne sich blicken lässt. Außerdem habe ich endlich eine schöne gemütliche Leseecke. Also einfach ein kleiner Sessel in Bodennähe, aber sehr gemütlich. Im ersten Monat konnte ich schließlich nur im Bett gemütlich lesen...