Shimoda Episode 1: Endlich wieder Japaner!
 
...dachten und erhofften wir uns, als wir unsere lange Reise in die Stadt Shimoda am Meer antraten. Von dem nahe bei Tokyo gelegenen und gut angebundenen Hakone stiegen wir mehrfach um, um schließlich mehrere Sunden in einem Zug die Fahrt entlang am Meer zu genießen. Die Sitze waren gar frontal für den Blick aus dem Fenster ausgerichtet, so dass wir die meerige Atmosphäre ganz und gar auskosten konnten.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Dienstag, 29. September 2009
Dementsprechend entspannt kamen wir am Bahnhof an und suchten den Bus, welcher uns zum gebuchten Ryokan fahren sollte. Diesen fanden wir, so auch die richtige Bushaltestelle. Und dann wurde es schwierig, denn der Lageplan, den man von der Internetseite des Ryokans herunterladen konnte war nicht nur so vage wie befürchtet, nein, er half quasi garnicht. Man konnte nichts mit ihm machen und so irrten wir mitsamt Koffern einige Zeit lang in der Gegend und im Meeressand umher, bis uns einige freundliche Japaner begegneten. Nachdem diese meine Japanischkenntnisse bemerkten und wieder aus der Schreckstarre erwachten, halfen Sie uns, das Ryokan zu finden.
Dieses unterschied sich von denen, die wir in Hakone und später in Nikko besuchten, dadurch, dass es im Internet nicht über englischsprachige Seiten erreichbar und buchbar war. Umso traditioneller und schöner war es dort. Weil wir im Juni dort waren, als gerade keine Badesaison war, waren wir sogar die einzigen Gäste und hatten somit die volle Aufmerksamkeit des haushaltenden älteren Ehepaares und deren Töchter auf unserer Seite. Wenn wir baden wollten, wurde sogleich ein Bad eingelassen und das heiße Wasser für den Tee wurde sogar auf unser Zimmer gebracht. Englisch sprachen sie nicht, so hatte ich gute Gelegenheiten, an meinem Japanisch zu feilen.
Shimoda ist nicht unbedingt eine der bekanntesten Touristenstädte und durch ihre Lage außerhalb der Ballungszentren auf Honshu insbesondere von ausländischen Touristen wenig besucht. Erst recht, wenn gerade nicht Badesaison ist. Viele kulturelle Highlights gibt es hier auch nicht. Ein paar kleinere Tempel und Schreine, von denen ihr hier auch einige Fotos sehen könnt. Hauptsächlich aber gibt es hier Meer und alles, was damit zu tun hat. Hier macht es in der Tat keinen Sinn, einmal quer durch die Stadt zu gehen, weil man viel besser außen herum gehen kann - am Meer entlang! Das taten wir auch am zweiten Tag unseres Aufenthaltes, weil wir den ja schließlich von morgens bis abends in Shimoda verbrachten. Und so findet ihr in diesem Beitrag erstmal andere Impressionen der Stadt, bevor es dann im nächsten Beitrag mehr um Meer geht.
Als einzige Ausländer weit und breit machten wir uns schon am ersten Abend auf, die ersten Eindrücke der kleinen Stadt in uns aufzusaugen. Im Titel seht ihr eine der schönen schmalen Gassen - dabei sieht man meinen persönlichen Höhepunkt darauf garnicht. Der kleine Bach in der Mitte wird nämlich von vielen vielen kleinen und größeren Krabben bewohnt. Ich liebe es, wenn die seitlich herum krabben! Ab sofort hieß die Gasse „Crab Avenue“.
Wenn auch nicht ausländische Touristen, so zog doch die Eröffnung einer bestimmten Festivität in jenen Tagen besonders viele Japaner aus allen Teilen Japans nach Shimoda. Es war nämlich Blumenfestival! Und zwar jener Blumen, deren Namen ich vergessen habe. Seht euch einfach die Bilder an. ;) Das Festival fand an einem Ort statt, das von Denkmälern für die amerikanisch-japanische „Freundschaft“ geprägt ist. Shimoda ist schließlich Symbol für die Öffnung Japans zum Westen, seit ein Amerikaner einstmals mit seinen schwarzen Schiffen die erste Botschaft hier eröffnete.
Und so erlebte ich den einzigen Tag in meinem japanischen Leben, an dem die Japaner enttäuscht waren, festzustellen, dass ich nicht Amerikanerin, sondern Deutsche bin. Die allermeisten Ausländer hier sind eben doch Amerikaner, indessen wir als Deutsche aber eben ein höheres Ansehen haben und beliebter sind. Insbesondere freilich bei der älteren Generation aus Gründen, die ihr ja mal in eurem Geschichtsbuch erforschen könnt, nech.
Jedenfalls wurden wir als „Amerikaner“ an diesem Ort für das Festival besonders herzlich willkommen gehießen. Was anfangs noch irgendwie spannend war, wurde dann bald aber irgendwie gruselig und wir zogen uns erneut an die schönen Sandstrände der Stadt zurück. Und darum geh es beim nächsten Mal - inklusive vieler Fotos natürlich! :)