Weltkulturerbe in Nikko
 
Etwa 100000 Einwohner hat das kleine Nikko, wo wir unsere letzte Rast vor der Rückkehr nach Tokyo einlegten. Dass hier so wenige Menschen wohnen bedeutet jedoch nicht, dass hier wenige Menschen sind.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Montag, 5. Oktober 2009
Tatsächlich ist Nikko wegen seiner zahlreichen Stätten Weltkulturerbes bei japanischen Touristen so berühmt, wie bei ausländischen. Das merkten wir auch sogleich bei der Ankunft, denn der ganze Ort schien auf Tourismus ausgelegt zu sein. Jedoch nicht auf spätnachmittaglichen Tourismus - als wir um etwa 16h oder 17h dort ankamen, fuhr der Sightseeing-Bus nämlich nur noch etwa einmal in zwei Stunden. Super, mal wieder mit Sack und Pack zur Unterkunft kriechen. Der Himmel war auch prächtig dunkelgrau-schwarz, so dass wir auf Regen nicht lange warten mussten.
Für diesen Abend hatten wir immerhin sowieso nicht viel Spannendes geplant - freilich erkundeten wir wie immer den Nahbereich, aßen und machten uns einen gemütlichen Abend und ich plante den nächsten Tag. Für diesen hatten wir dann in der Tat auch volles Programm. Und dieses Mal mussten wir auch ordentlich für die Eintritte bezahlen - ein fein eingezäuntes Gebietchen mit mehreren Tempeln und Schreinen konnte man nur sinnvoll mit einem Komplettticket besichtigen. Weil wir ja um die Prominenz der Stätte mit dem Rinnoji und dem Toshogu Schrein wussten, machten wir uns früh am Morgen nach unserer Ankunft auf, so dass wir vor den Heeresscharen der Touristen ankommen würden. Das hat freilich überhaupt nicht geklappt, denn schon vor der Öffnungszeit waren die nahen Parkplätze voll mit Reisebussen. Nicht nur Rentnervereine, wie man das nun annehmen würde strömten in Reih und Glied durch die „Rummelplatzattraktionen“ hindurch, sondern auch Frauengruppen, Schulklassen...
Insbesondere die Schulklassen machten es uns mitunter schwer, die eigentlich wahrhaftige Idylle an diesem Ort zu genießen. Idylle und Kindergeschrei widersprechen sich nämlich recht stark. Einige Schulklassen kamen sogar mit Aufgaben hierher: Sie sollten Touristen auf Englisch triviale Fragen stellen. Z.B. zum Thema Lieblingsessen. Die Kinder konnten die Fragen auch einigermaßen vorlesen und man konnte raten, was sie wohl meinten - aber egal, was man antwortete verstanden sie kein Wort. Ich bin dann ins Japanische übergegangen, bis der Lehrer die Kinder andrängelte, sie mögen doch bitte Englisch sprechen. Übrigens lasen sie die Fragen im Chor vor.
Hier auf diesem Foto könnt ihr sehen, weswegen das Fotografieren an jenem Tag, ob der Vielzahl fotografierenswerter Szenen keinen großen Spaß machte. Vor lauter Menschen sah man kaum noch was. Diese hier versperrten mit ihrer Reiseleitung gar den Durchgang. Super.
Nun, was soll ich sagen. Entweder man kommt hierher, wenn wirklich keine großen Menschenmengen zu erwarten sind (aber wann kann das sein???), oder aber man kommt garnicht her, überspringt Nikko und sucht sich stattdessen ein anderes tolles Reiseziel aus. Für uns herrschte hier einfach zu sehr der Tourismus. Manche Japaner sprachen sogar Englisch, da stimmt doch was nicht!
Nein im Ernst, je weniger Touristen uns begegneten, desto lieber hielten wir uns an einem bestimmten Ort auf. Und so gab es auch noch einen kleinen Lichtblick - denn der Blick auf die Karte ließ auf einige wenig besuchte Fleckchen am Rande Nikkos hoffen. Gleich in der Nähe unseres Ryokans, das an sich schon etwas außerhalb lag, gab es einen kleinen ganz besonderen Pfad. Und obgleich mir Nikko sonst nicht gefiel, gehörte dieser kleine Abstecher mit der Zeit in Shimoda für mich zu den Höhepunkten unserer Reise. Auf den nächsten Eintrag könnt ihr also schon sehr gespannt sein! :)