Im japanischen Wohnheim
 
Ja, genau dort hänge ich nun fest! Das Semester beginnt erst am Montag, dem zweiten Februar und erst am Sonntag darf ich meine Gastfamilie treffen und werde dann hoffentlich sogleich von ihr verschleppt!
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Ich hatte schon erwartet, dass die meisten anderen internationalen Studierenden in diesem Programm Amerikaner sein würden, aber dass der Anteil dann tatsächlich so hoch ist, wie hier vorgefunden, überraschte mich doch. Es gibt da meine beiden Zimmerkolleginnen aus Kolumbien und noch eine dritte Kolumbianerin, dann habe ich einen Slowaken, drei Australier, eine Italienerin und ein paar andere, nicht-japanische Asiaten ausmachen können. Ich schätze, dass mindestens 80% hier Amerikaner sind - und das ist vermutlich noch untertrieben. Die meisten von den Amerikanern sind etwas jünger als ich - etwa zwischen 19 und 22 und naja... haben auch ganz andere Sachen als ich im Kopf. Ausgehen, Alkohol trinken und dergleichen. Macht aber nix, ich bin ja nicht hierher gekommen, um mich mit partywütigen Amerikanern herumzutreiben. ;D So verwirrt es mich auch nicht weiter, wenn sie sich im Waschraum fürs Ausgehen fertig machen, während ich mir die Zähne vor dem Schlafengehen putze.
 
Schade finde ich allerdings, dass die allermeisten nicht asiatischen Ausländer hier kaum japanische Lebensmittel essen. Ich kann ja sehen, was sie so essen und was bei ihnen auf dem Kühlschrank liegt. Das trifft auch auf jene zu, die schon seit mindestens einem Semester hier sind.
Dann gibt es also Cornflakes, Haferflocken, Toast, Burger u.s.w. Bei mir gibt es Nigiri, Mochi, Okonomiyaki und dergleichen. Natürlich auch unendlich viel Kürbis und vor allem Äpfel! Was muss, das muss. Natürlich esse ich auch mal etwas Heimisches zwischendurch (z.B. die Kilos an Süßigkeiten, die ich mitbrachte...), aber in der Regel wird bei mir Japanisch gegessen.
 
Irgendwie hat es ja schon seinen Vorteil, dass ich hier eine Woche im Wohnheim gelebt habe. So habe ich diese Erfahrung auch mitgenommen, ohne direkt ein ganzes Semester bleiben zu müssen. Das möchte ich nämlich nicht inmitten der ganzen internationalen Studierenden. Ich bin hier, um etwas über die japanische Kultur zu lernen, die Sprache, möchte das Essen auskundschaften und von Japanern umgeben sein. Dennoch weiß ich nun, dass ich es hier aushalten könnte, sollte es gravierende Probleme mit meiner Homestayfamilie geben. Oder wenn sie kein Internet haben und ich wider Erwarten überhaupt nicht damit zurechtkomme. Aber das wird sich schon bald zeigen. Hat die Familie Internet, dann kann ich auch endlich mal wieder diesen Blog hier hochladen - also betrifft euch das auch, haha!
 
Schon bald gibt es mehr von mir. Ich werde euch dann etwas von meiner Familie erzählen und zudem die... Sicherheitsbestimmungen an der Uni und im japanischen Leben sowieso vorstellen. Regeln, ihr wisst schon. ;)
 
Also bis bald!
Freitag, 30. Januar 2009
Das sage ich nicht, weil es hier schlimm wäre, nein nein! Aber ich will nun endlich mal raus aus diesen Zwischenzuständen. Davon hatte ich in den letzten Wochen und Monaten wirklich genug - jetzt will ich einfach mal wieder für längere Zeit an ein und demselben Ort sein. Endlich mal Ruhe haben und nicht mehr übers Reisen und Umziehen nachdenken sondern den Kopf frei für die wesentlichen Dinge bekommen! So war ich zunächst genervt zu erfahren, dass ich eine ganze Woche im Wohnheim verbringen müsste, aber angesichts des Komforts hier ist das schon in Ordnung.
Ich bin zur Zeit mit zwei sehr lieben Kolumbianerinnen auf einem Zimmer untergebracht. Wenn ich ausgezogen bin, werden sie in diesem Zimmer bleiben. Deshalb ist es ganz logisch, dass sie sich schon bezüglich der Kleiderschränke und Schreibtische eingelebt und eingerichtet haben - während ich so irgendwie dazwischen herumlebe. Immer dort, wo gerade eben Platz ist. Ich lebe aus den Koffern und wenn ich am Mac arbeite, dann sitze ich dabei zwischen der ganzen Plörre auf dem Boden vor dem kleinen Tisch. (Siehe oberes Foto - da wo vor dem Mac etwas Platz auf dem Boden ist. ;D ) Mit der kurzfristigen Unterkunft hängt wohl auch meine temporäre Unordentlichkeit zusammen - aufgrund dieser Information könnt ihr mein Bettchen (Futon - also eigentlich kein Bett) vermutlich recht schnell erkennen. Es ist unter diesen Umständen aber auch wirklich nicht möglich, Ordnung zu halten.
Nun, dieses war schon der erste Unterschied gegenüber deutschen Wohnheimen - die Zimmer werden geteilt. Zwar haben wir in deutschen Wohnheimen auch WGs, aber dennoch hat jeder sein eigenes Zimmer. Ein weiterer Unterschied ist, dass die Zimmer kein eigenes Bad haben. Stattdessen gibt es hier Gemeinschaftseinrichtungen auf dem Flur. Hört sich schlimm an - ist es in deutschen Wohnheimen sicher auch. Schließlich gibt es bei uns noch einige ältere Wohnheime, in denen das ähnlich geregelt ist. Hier jedoch ist alles wirklich sehr sauber und angenehm.
Hier oben seht ihr den Waschraum - der von den Toiletten getrennt ist. Hier sind etwas weiter hinten auch die Duschzellen - also ist es nicht tatsächlich eine Gemeinschaftsdusche. Die Nasszellen haben noch einen kleinen Vorraum zum Umziehen, den man mit einem Vorhang schließen kann. Die Nasszelle selbst lässt sich so gut schließen, dass einem nicht kalt wird. Außerdem ist alles sehr sauber und zudem hat man sehr sehr viel Platz darin. Ein Traum im Gegensatz zu unserer fiesen alten Dusche in Dortmund - die ja nun glücklicherweise auch Vergangenheit ist, hehe.
Wie schon gesagt, sind die Toiletten räumlich getrennt. In diesem Raum tauscht man am Eingang dann zunächst seine eigentlichen Schluffen gegen die Toilettenschuhe ein. Die sind aus Plastik und werden regelmäßig gereinigt. „Toilettenschuhe?“ fragt ihr euch nun vielleicht. Das ist in Japan völlig normal und auch in einfachen Haushalten sind sie Standard. Es ist eben so, dass die Japaner das Geschäft auf der Toilette als etwas Schmutziges empfinden und deswegen nicht mit den Hausschuhen diese Räumlichkeiten betreten.
So eben auch hier. In anderen Teilen der Welt wären solche Schuhe noch sehr viel nützlicher, da in anderen Teilen der Welt Toiletten tendenziell viel dreckiger sind. Ich habe noch nie so hochfrequentiert richtig saubere Toiletten vorgefunden, wie in Japan. Dennoch finde ich diese Lösung mit den Toilettenschuhen schön. Könnte ich mich dran gewöhnen. :)
Nicht nur die Toilettenschuhe stellen hier eine Besonderheit dar - generell wird das Tragen von Schuhen in Innenräumen in Japan anders gehandhabt. Wohnhäuser beispielsweise betritt man grundsätzlich nicht mit Schuhen - bis auf den einen Meter bis zum Stüfchen, vor dem man Gelegenheit hat, seine Schuhe auszuziehen und in die Hausschuhe zu steigen. Nun hätte ich nicht gedacht, dass das auch im Wohnheim der Fall ist. Also dass man die Zimmer nicht mit Schuhen betreten dürfte - damit rechnete ich. Schließlich ist der Tatami Boden sehr empfindlich und schwierig zu reinigen. Aber auch im Wohnheim ist es so, dass man gleich am Eingang seine Schuhe auszieht. Man gelangt also in das Foyer, hat dort einige Quadratmeter Platz und stellt sich vor die leichte Erhöhung des Bodens, die den schuhfreien Bereich kennzeichnet. Hier steigt man aus den Schuhen heraus auf die Stufe und bringt sie zum Schuhregal. Jedem Zimmer sind dabei zwei Regalbretter zugeordnet - also hat jeder Platz für zwei paar Schuhe. Mir persönlich reicht das ja (Straßenschuhe und Sportschuhe, fertig.) Andere haben dann ihre restlichen 24 Paar Schuhe bei sich auf dem Zimmer stehen...
Natürlich gibt es auch im Wohnheim die obligatorischen Getränkeautomaten. Ohne geht es ja nicht länger als 2 Minuten bzw.200 Meter. An jeder Straßenecke findet man in Japan einen - in den Großstädten sieht man die Wände der Gebäude quasi nicht mehr. Einzig auf Shikoku nahm ich im letzten Jahr eine vielmehr angemessen erscheinende Dichte der Automaten wahr. Naja, damit für jeden Geschmack auch sicher etwas dabei ist, gibt es hier gleich drei Automaten. Angefangen bei Cola und anderen Limonaden geht es über Tee in allen Variationen mit jedweden Zusätzen bis hin zu Kaffee, der auch heiß aus den Automaten zu kommen vermag. Oft kann man auch alkoholische Getränke bekommen.
Hier rechts seht ihr den Gemeinschafts-/ Essraum. Es stehen auch zwei Fernseher in der Ecke - mit englischen und japanischen Programmen. Dort ist es dank Klimaanlage auch immer schön warm und sauber ist es überdies. Gut, manchmal macht einer mal nicht richtig sauber, aber dann setzt man sich eben an den Platz daneben. Ist schon prima. Und hier sehen wir schließlich einen Teil der Küche. Zu zwei Zimmern gehört einer der riesigen Kühlschränke - und darauf werden dann einige nicht kühlungswürdige Lebensmittel abgelegt.
Kochen dürfen wir hier innerhalb der ersten  Orientierungswoche leider nicht - es ist auch nichts zum Kochen da. Daher kann man die Mikrowelle benutzen, den Wasserkocher und einen kleinen Ofen, in dem man eigentlich Fisch in Alufolie gart und der alles recht schnell schwarz macht. Habe ich am Toast der Amerikaner des öfteren bewundern dürfen. ;) Freilich muss man auch jedes einzelne Kochutensil selbst herschaffen - denn es ist einfach zur Zeit nichts hier vorhanden. Einzig ein wenig Kram liegt in einigen Plastikschalen herum, wie ihr auf dem Bild hier unten sehen könnt. Darf man eigentlich nicht benutzen - tun wir aber dennoch alle. Im Ernst, ich kaufe mir doch nun kein Messer für 50 Euro, um meinen Kürbis in Spalten zu schneiden, so dass dieser in den Ofen passt. Genau so wollen das andere Studierende auch nicht, um sich ihre Butter aufs Brot zu schmieren. Aber hey - eine Woche überlebe ich auch auf diese Art und Weise. Es gibt so viele leckere Sachen hier zu kaufen, dass ich diese Zeit abwarten kann. Außerdem kann ich mich so noch umso mehr auf das lecker hergerichtete japanische Essen meiner Gastmama freuen, das ich ab nächster Woche jeden Tag genießen darf!
Wo wir hier schon gerade bei Verboten sind(siehe „Don‘t use....“), will ich euch noch auf ein paar andere Dinge hinweisen. Vielmehr die Hinweise an euch weitergeben, die mir hier an jeder Tür, jeder Wand und eben überall begegnen. Auch auf Toilette, wo sorgsam beschrieben steht, was man tun soll, falls „something was not washed out completely“. Das liest man sich also jedes einzelne Mal durch, wenn man mal wieder wie zufällig dort sitzt. ;)
Nun möchte ich euch diese Mülleimer hier vorstellen - davon gibt es hier viele. Warum? Es werden hier fünf Dinge voneinander getrennt. Immer und an jeder Stelle. Dazu hängen auch überall Anleitungen, damit man bloß nichts falsch macht! Unglücklicherweise sind hier , wie ihr unschwer sehen könnt, dennoch nur vier Mülleimer aufgestellt. Auf dem Zimmer haben wir gerade mal zwei - UND die Hinweise dazu, wie man den Müll fünffach trennen möge. Vielleicht erwartet man von uns, dass wir neben den Mülleimern noch ein paar hübsche Müllhäufchen errichten.
Hier seht ihr dann weiterhin den Hinweis, dass die Türen um 23h Abends abgeschlossen werden. Und zwar alle - selbst am Wochenende. Wenn man also nach 23h kommt, muss man draußen bleiben - und da lässt sich nicht dran drehen, selbst wenn man sich auf den Kopf stellt. Für das Ausgehen bedeutet das freilich: Ganz oder garnicht. Irgendwann morgens kommt man dann ja wieder rein. ;D An diese Uhrzeit sind (vielleicht nicht ganz zufällig?) auch die Bus- und Bahnfahrzeiten gekoppelt. Ab 23h geht nix mehr. Fährt man also zum Ausgehen nach Osaka oder Kyoto raus, dann muss man sowieso auf die ersten Verkehrsmittel am Morgen warten - die ab etwa 5h unterwegs sind. Um 23h werden wahrlich die Bürgersteige hochgeklappt.
Diese Schildchen hier sind nur eine Auswahl... eine kleine Auswahl, quasi nur ein klitzekleiner Ausschnitt aller hier im Wohnheim zu findenden Hinweise. Sie benötigen eigentlich keine weitere Erläuterung meinerseits. Nur nochmal zur Erinnerung: Japan ist ein Land der Regeln. DAS Land der Regeln.
Jedoch nicht nur bezüglich der Sauberkeit und Ordnung im Wohnheim ist man um adäquates Verhalten unsererseits bemüht. Das möchte ich exemplarisch an folgendem neuerlichen Ereignis darstellen: Wir waren am Mittwoch Abend zu einer Party von einigen Japanern hier im Wohnheim eingeladen: Eine „Welcome to Japan!“- Party. Die Ankündigung sagte, dass man einen Stift mitbringen sollte, weil wir Bingo spielen würden. In Deutschland würde man wohl nicht zu einer Party gehen, auf der Bingo gespielt wird, eben WEIL dort Bingo gespielt wird. ;) Aber hier darf man ja weder Musik hören, noch zu laut reden und auch keinen Alkohol trinken (was ich natürlich vorzüglich finde!). Weil man irgendetwas aber doch machen möchte, spielt man eben Namen - Bingo, so lernt man nebenher noch die anderen Bewohner kennen. Außerdem stand auf dem Schild vermerkt, dass die Party von 18h bis 21h dauern sollte. Eine Anfangszeit ist klar - man addiert +1-2 Stunden auf die Anfangszeit und hat den eigentlichen Starttermin, nicht wahr. Aber ein Ende? Eine komische Party, deren Ende schon im Vorhinein für 21h angekündigt ist. Aber gut. Hier ist es eben anders.
Um 17h58 saßen wir also noch alle hier gemütlich auf unseren Zimmern - nicht ansatzweise in Vorbereitung darauf, innerhalb der nächsten Minuten herunterzugehen. Und dann um Punkt 21h passierte folgendes: Aus den Lautsprechern auf den Fluren tönte ein lautes Klingeln. Unüberhörbar laut folgte nun die Durchsage einer jungen aber sehr bestimmt klingenden und scheinbar keinen Widerspruch duldenden Japanerin, dass die Party nun beginnt und man doch bitte den Gemeinschaftsraum aufsuchen solle. In englischer und japanischer Sprache. Dann nochmal. Dann wieder mit etwas mehr Nachdruck. Zum Abschluss hörten wir dann abermals den schönen Signalton. Nach leichten Lachanfällen machten wir uns also doch direkt auf den Weg in den Gemeinschaftsraum. Immerhin gab es etwas zu essen! Käse (!!!!!!), Oliven, saure Gurken und noch einige Sachen die ich liebe, hier aber zu teuer für mich sind. Um 19h30 war dann der Pflichtteil der „Party“ überstanden und ich ging wieder aufs Zimmer.